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DIE LEBENDEN

Land: Österreich

Erscheinungsjahr: 2012

Dauer: 112 Min.

Sprachen: deutsch, englisch

 

CREDITS

Regie, Drehbuch: Barbara Albert

Kamera: Bogumił Godfrejów

Schnitt: Monika Willi

Casting: Lisa Oláh

Kostümbild: Veronika Albert

Szenenbild: Enid Löser

Maskenbild: Martha Ruess

Musik: Lorenz Dangel

Ton: Dietmar Zuson

Sound Design & Mischung: Tobias Fleig

Produzenten: Barbara Albert, Bruno Wagner

Ko-Produzenten: Alex Stern, Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade

Produktion: coop99 (Österreich)

Koproduktion: Alex Stern Film, Komplizen Film

Förderung: Österreichisches Filminstitut, Filmfonds Wien, Film- & Medienstiftung NRW (Verleih)

Filmstandort: Austria, Polish Film Institute

Fernsehbeteiligung: ORF (Film/Fernseh-Abkommen), SWR, ARTE

Drehorte: Wien, Berlin, Polen, Siebenbürgen (Rumänien)

Fertigstellung: August 2012

 

CAST

Anna Fischer: Sita

Hanns Schuschnig: Gerhard Weiss

August Zirner: Lenzi, Sitas Vater

Itay Tiran: Jocquin

Daniela Sea: Silver

Winfried Glatzeder: Michael Weiss

Almut Zilcher: Marianne, Sitas Mutter

Wanja Mues: Gunther

Emily Cox: Junge Frau

Kristina Bangert: Gerda, Lenzis Frau

 

FESTIVALS

Weltpremiere: International Filmfestival San Sebastian, 2012
Deutschlandpremiere: Internationale Hofer Filmtage, 2012
7. Around the World in 14 Films, Berlin 2012
Internationales Frauenfilmfestival, Dortmund/Köln 2013


DIE LEBENDEN

Ein Film von Barbara Albert

Kinostart: 30. Mai 2013


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Berlin  Babylon Mitte  am 04.07. - 10.07.2013     
Berlin  Brotfabrik  ab 30.05.2013     
Berlin  Hacksche Hfe  ab 30.05.2013     
Berlin  Moviemento  ab 30.05.2013  Premiere Mo 27.5. 20.00 Uhr   
Bochum  Endstation  am 11.6.+12.6.2013      
Bremen  City 46  am 6.6.-12.6.2013     
Dortmund  Sweetsixteen  ab 30.05.2013     
Dresden  Casablanca  ab 30.05.2013     
Dsseldorf  Bambi  ab 30.05.2013     
Essen  Galerie Cinema  ab 30.05.2013     
Esslingen  Kommunales Kino  am 27.6.-3.7.2013     
Frankfurt  Mal Sehn  am 6.6.-19.6.2013     
Freiburg  Friedrichsbau  ab 30.05.2013     
Gttingen  Lumiere  am 1.8.-7.8.2013     
Greifswald  Pommersches Landesmuseum  am 24.10.2013     
Halle  Zazie  am 18.07. - 21.07.2013     
Hamburg  Studio  ab 30.5.2013  Sa 1.6. 18.00 Uhr Regisseurin zu Gast   
Hannover  Knsterlhaus  am 20.6.-26.6.2013     
Herrsching  Breitwand  ab 6.6.2013     
Kln  Filmforum  am 24.5.2013  Premiere 20.00 Uhr   
Kln  Filmpalette  ab 30.05.2013     
Leipzig  Cineding  am 18.7.-24.7.2013     
Leipzig  Schaubhne  ab 30.05.2013     
Lich  Traumstern  am 04.07. - 07.07.2013     
Lbeck  Kommunales Kino  am 18.07. - 21.07.2013     
Ludwigsburg  Caligari  am 6.6.-12.6.2013     
Magdeburg  Moritzhof  ab 30.05.2013  Preview 2.5.   
Mannheim  Cinema Quadrat  am 12.12. - 18.12.2013     
Mnchen  Monopol  ab 30.05.2013     
Neustrelitz  Fabrik 2  am 01.11.2013     
Nrnberg  Meisengeige  ab 30.05.2013     
Potsdam  Thalia  ab 30.05.2013  So 2.6. 17.00 Regisseurin zu Gast   
Prien  Mike's Kino  am 11.07. - 17.07.2013     
Regensburg  Filmgalerie  am 4.7.-10.7.2013     
Rendsburg  Kinocenter  am 18.11.2013     
Saarbrcken   Filmhaus  am 6.6.-12.6.2013     
Tbingen  Arsenal  am 11.09.2013  Regisseurin zu Gast   
Weimar  Lichthaus  am 20.06. - 26.06.2013     
Weiterstadt  Kommunales Kino  am 07.11. + 09.11. + 12.11.2013     
Wiesbaden  Murnau  am 7.6.-9.6.2013     
Wrzburg  Central  am 13.6.-16.6.2013  Sa 15.6. 19.30 Regisseurin zu Gast   

 

ZUM FILM


DIE LEBENDEN erzählt die persönliche Reise der 25jährigen Sita.
Eine Reise in die belastete Vergangenheit ihrer Familie; eine Reise, die sie von Berlin über Wien und Warschau bis nach Rumänien führt.

Barbara Alberts vierter Spielfilm handelt von Heimatlosigkeit und Selbstfindung, von Hoffnung und Verantwortung.
DIE LEBENDEN ist die autobiografisch-inspirierte Geschichte einer Frau auf der Suche nach ihren eigenen Wurzeln und dem Geheimnis ihrer Familie.

„Ich wollte Zusammenhänge hinterfragen, nicht Buße für alte Schuld einfordern. Nicht das Widerkäuen der Schuld war mir ein Anliegen, sondern eine ganz neue Fragestellung hat mich beschäftigt: Wo liegt unsere Verantwortung heute? Wo beginnt Menschenverachtung? Wo führt sie hin? Wer sind die Täter, wer die Opfer heute?“

(Barbara Albert)

 

 

KURZTEXT


Sita ist eine junge Frau von 25 Jahren, lebt in Berlin und studiert Germanistik.
Nebenbei macht sie kleine Jobs und bewegt sich im Großstadtleben mit einer hohen Frequenz. Eines Nachts landet Sita im Atelier eines israelischen Fotokünstlers und etwas an Jocquin berührt sie auf ungewohnte Weise. Er geht ihr nicht so schnell wieder aus dem Kopf, wie sie es eigentlich angenommen hatte.

Zum 95. Geburtstag ihres geliebten Großvaters fährt Sita nach Wien, wo auch ihr Vater Lenzi mit seiner neuen Frau und dem gemeinsamen kleinen Sohn lebt. Am Abend nach dem großen Fest stößt Sita in der Wohnung ihres Vaters auf ein Foto, das ihren Großvater in SS-Uniform zeigt. Gegen den Willen ihres Vaters beginnt Sita in der Vergangenheit ihres Großvaters zu kramen. Ihr wird zunehmend klar, dass nicht nur ihr Großvater, sondern auch ihr Vater ihr einiges verschwiegen haben. Sita bleibt hartnäckig: ein Dokument in einem Wiener Archiv führt sie nach Polen, ein Erinnerungsfoto des Großvaters nach Warschau.


Sita dringt immer tiefer in die Abgründe ihrer Familie vor. Auf dieser Reise in die Vergangenheit der älteren Generationen begegnet sie unerwartet Jocquin wieder. Die Perspektive auf ihr eigenes Leben beginnt sich zu verdichten.

Als Sita selbst an den Rand der Erschöpfung gelangt, muss sie erkennen, dass sie die Schuld nicht abarbeiten kann, die ihre Familie zu tragen hat...

 

 

AUTORINNENSTATEMENT von Barbara Albert


DIE LEBENDEN ist ein Film über Schuld und Verantwortung. Nicht nur über die Schuld der Täter einst, sondern auch über Schuld und Verantwortung jeder einzelnen Person heute.
Im Mittelpunkt des Films steht eine Figur, SITA. Sie ist die zentrale Figur, um die alles kreist - und pulsierendes Herz des Films.
Eine junge, energiegeladene Frau, die, ständig auf der Suche, dabei auf dem Grat des alten und neuen Europa wandelt.
Das Wegschauen des Vaters ist der konventionelle Umgang mit der Familienschuld, Sita stellt sich dagegen, will hinschauen – und kann nur dadurch verzeihen.
Erst durch ihr Akzeptieren der Vergangenheit ihres Großvaters wird ein Verzeihen möglich, und erst durchs Verzeihen der Weg für einen Neuanfang geebnet.
Meine eigene Familie kommt väterlicherseits aus Siebenbürgen, Rumänien – und so bin ich mit den Themen Verlust der Heimat und Entwurzelung aufgewachsen (auf ganz andere Weise habe ich in meinen Filmen NORDRAND und SOMEWHERE ELSE bereits das Thema behandelt).
Die Siebenbürger Sachsen sind durch den Zweiten Weltkrieg gleichermaßen zu Tätern und Opfern geworden.
Meine Großtante wurde in russische Gefangenschaft verschleppt – andere Verwandte wurden aufgrund ihrer freiwilligen Meldung zur SS oft aufgrund von Kriegsverletzungen als Wachpersonal in Konzentrationslagern eingesetzt.
Dem Drehbuch liegen viele Reisen, aber auch Recherchen im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands in Wien, im Jüdischen Museum in Warschau und in Archiven in Berlin, zugrunde.
Über meinen Großonkel und Schriftsteller Dieter Schlesak (zuletzt: „Capesius – der Auschwitzapotheker“) konnte ich viel handgeschriebenes Material und Aufzeichnungen von Interviews mit Auschwitz-Überlebenden sowie Tätern einsehen.
Aber auch Texte von Daniel Jonah Goldhagen („Schlimmer als Krieg. Wie Völkermord entsteht und wie er zu verhindern ist“) haben mich beeinflusst.
In den letzten Jahren hat es einige AutorInnen und FilmemacherInnen im Dokumentarfilmbereich gegeben, die mit der eigenen Familiengeschichte an die Öffentlichkeit gegangen sind (z.B. Marcus J. Carney in „The End of the Neubacher
Project“, Malte Ludin in „2 oder 3 Dinge, die ich von ihm weiß“, Claudia Brunner und Uwe von Seltmann in „Schweigen die Täter reden die Enkel“, Katrin Himmler in „Die Brüder Himmler“).
Über die eigene Familiengeschichte hinaus wollte ich eine Allgemeingültigkeit und eine Verbindung zum Heute schaffen. Unter anderem aus diesem Grund sind die Figuren der politischen Aktivistin SILVER und die Figur der SEDA, eine Frau, die aus Tschetschenien geflohen ist, entstanden.

Ich wollte Zusammenhänge hinterfragen, nicht Buße für alte Schuld einfordern. Nicht das Widerkauen der Schuld war mir ein Anliegen, nicht der Versuch, das Grauen 1:1 zu zeigen, sondern eine ganz neue Fragestellung hat mich beschäftigt: wo liegt unsere Verantwortung heute? Wo beginnt Menschenverachtung? Wo führt sie hin? Wer sind die Täter, wer die Opfer heute?

 

 

REGIESTATEMENT


Gesichter und Körper als Zentrum des Films, Gesichter und Körper, die sich immer mehr verlieren, irritiert sind, die Welt nicht mehr verstehen, aus dem Konzept gebracht sind und abstürzen, den Boden verlieren. Getriebene und vertriebene Menschen – und dann immer wieder dazwischen leuchtende Einzelfiguren, die etwas wollen, die leben, die Fragen stellen und pulsieren.
Ihrer inneren Anspannung, ausgedrückt durch die bewegte Kamera und die nahen Einstellungen auf Gesichter in der Stadt (Berlin und Wien), stehen die Weite des trüben Winterhimmels (in Warschau) und der Siebenbürger Wiesen gegenüber.
Neben diesen Landschaften wollte ich Gesichter und Körper zu eigenen Landschaften werden lassen.
DIE LEBENDEN ist auch ein Film über das Bild. Sita, die als Praktikantin im TV-Sender Bilder sammelt, Bilder, die später relativiert werden, und Bilder, die Sita im Zuge ihrer Recherche findet. Bilder von Vergangenem, Bilder, die immer nur einen Ausschnitt der Wahrheit zeigen.
In der Kameraarbeit haben wir versucht, Sitas Irritation über die Familienvergangenheit, aber auch über sich selbst, ihre eigenen Gefühle, auszudrücken.
Neben ungewöhnlich nahen Einstellungen, die der Weite der Welt (=Landschaft und Stadt) gegenüber stehen, gibt es auch Einstellungen, in denen die Figuren am Rand stehen. Sie kippen aus dem Bild, aus der Welt.
Der Energie des Films entspricht eine ‚pulsierende’, atmende’ Kamera.
Wir wollten versuchen, Bilder zu schaffen, die einen beinahe physisch berühren, die einem nahe gehen, ohne dass wir je absichtsvoll Grausamkeit und Leid zeigen.
Auch unterstützen für mich Nahaufnahmen den Versuch, verstehen zu wollen, genau hinsehen und untersuchen zu wollen, woher Gewalt, Verachtung und vielleicht auch der Verlust von Mitgefühl kommen.
Sita, die sich auf ihrer Vespa, mit der Bahn oder dem Flugzeug – oder auch einfach laufend – bewegt, repräsentiert den schnellen Pulsschlag des Heute, Michael Weiss und Gerhard Weiss in ihrer Umgebung, dem Stuttgarter Reihenhaus, dem Altersheim und Siebenbürgen, stehen für die Vergangenheit.
So ist DIE LEBENDEN vielleicht auch als Roadmovie zu verstehen.
Im Kontrast dazu friert der Film dann aber in einem Moment fast ein. Wenn wir mit Sita im Stuttgarter Reihenhaus sind, entspricht der Rhythmus Sitas Einsamkeit – im Hintergrund der Albtraum, den Sitas Großvater in den Videoaufnahmen verkörpert.
Das Hin- und Wegschauen sollte hier als Thema mitschwingen. Der Blick auf den Täter und SS-Offizier Gerhard Weiss ist ein undeutlicher Blick, ein Blick auf ein Videobild in niedriger Auflösung – oder ein zensierter Blick: der Blick auf den Hausschuh, das Tischbein.
Ich will mit dem verbotenen Blick spielen, will tabuisierte Blicke aufdecken, ohne ‚reißerisches’ Material zu verwenden.
Das Musikkonzept des Films beruht auf den zwei Polen, zwischen denen sich Sita bewegt. Auf der einen Seite ihr pulsierendes Leben als junge Frau in Berlin, auf der anderen Seite die alte Musik des Vaters, die die Welt verkörpert, aus der sie, geprägt von ihrer siebenbürgischen Herkunft, kommt.
Am Ende des Films wird sich die alte Musik verwandelt haben.
Das Henry Purcell Thema aus der Oper „King Arthur“ hat der Filmkomponist Lorenz Dangel zu diesem Zweck neu arrangiert (Gesang Monica Reyes).

 

 

Ein Interview mit Regisseurin Barbara Albert zu DIE LEBENDEN
von Rüdiger Suchsland / April 2013 (Auszüge)


DIE LEBENDEN ist ein autobiographisch stark inspirierter Film. Was hat ihn ausgelöst?
Albert: Ich habe an einem Film gearbeitet über eine junge Frau, die politisiert wird. Ich wollte einen Film machen über Verantwortung, Gewissen, auch über das heute grassierende Ohnmachtsgefühl. Über diese Arbeit bin ich auf meine Familiengeschichte gestoßen. Ich habe mir selbst Fragen über das Leben meiner Großeltern gestellt: Wo sie wann waren Ende des Krieges; was sie gemacht haben? Ich wusste es tatsächlich nicht. Was schon alle in der Familie wussten, war, dass mein Großvater in der SS war. Aber das war eben so - weiter wurde nicht gefragt. Niemand hat da gefragt.
Aber das Thema Schuld kommt in meinen Filmen oft vor und so habe ich mich dann auch nach der Schuld in meiner Familie gefragt.
Ich bin dann im Zuge der Recherche auf einen Schriftsteller in der Familie gestoßen, der in den 70ern meinen Großvater lange interviewt hat, und das Interview zu Romanen verarbeitet hat. Den habe ich getroffen und die Interviews gehört - das hat den Film komplett verändert. Diese Wahrheit über meinen Großvater hat diese Sita-Figur im Film sehr verändert und viel anderes aus dem Film herausgeworfen.
Die Geschichte eines SS-Offiziers, seiner Schuld und seiner Verantwortung erschlägt andere Themen.

Die aktuelle Politik kommt in Deinem Film zwar vor, aber eher am Rande...
Albert: Die Frage danach: Wie handle ich heute? schwingt natürlich mit: Wenn ich die Geschichte meines Großvaters erzähle, dann kommt unweigerlich irgendwann diese Frage: Wie hätte ich mich verhalten? Was wäre meine Position gewesen? Weil das schon so mitschwingt, erschien es mir aber wirklich auch platt, das so eins zu eins ins Heute zu übertragen und die Sita vor die Frage zu stellen: Soll ich heute Flüchtlinge retten? Soll ich politisch aktiv werden?
Trotzdem gibt es noch Relikte dieser frühen Drehbuchfassung, weil es mir schon sehr wichtig war, das heutige Europa vorkommen zu lassen, das ja nur so ist, wie es ist, weil es den Zweiten Weltkrieg gab, weil es die Verfolgungen und die Heimatlosigkeit gab - nur deswegen leben wir heute in Europa so, wie wir leben.
Die Ausgrenzung anderer, die Dichtmachung der Grenzen, diese „Festung Europa" interessiert und beschäftigt mich schon sehr. Da wollte ich eigentlich viel mehr drüber machen. Aber ich habe gemerkt: Ich kann diese Themen nicht eins zu eins gegenüberstellen. Ich kann auch nicht die Judenvernichtung mit der Flüchtlingspolitik kurzschließen. Es geht einfach nicht.
Deswegen ist das nur als Relikt geblieben, als eine Skizze zum heutigen Europa. Auch um die Sita in ihrem Umfeld zu begreifen. Von was für Themen und Fragen ist sie umgeben?

Untergründig ist das ja auch ein Film über das neue Europa: Es gibt Verweise auf den Mauerfall, auf den Blick der Jungen aus dem Westen auf den Osten; auf die Erfahrungen der Alten. Wir Jüngeren haben keine eigene Erfahrung, Opfer zu sein, Täter zu sein, gehungert zu haben... Beginnen wir diese Erfahrung gerade zu verlieren?
Albert: Ich befürchte wirklich auch, das wir das gerade verlieren: Die Erinnerung. Die Fähigkeit die Erfahrungen unserer Großeltern nachzuvollziehen. Auch deswegen wollte ich den Film unbedingt jetzt machen. Denn mir ist klar: Alle Menschen, die direkt etwas dazu sagen können, sterben bald.
Es macht einen Riesenunterschied, ob eine primäre Erfahrung weitergegeben wird, oder ob es eine Generation später ist. Allein schon der Unterschied wischen mir und meinen Nichten... - die haben meine Großeltern nicht gekannt und dadurch eine wahnsinnige Distanz zum Krieg. Das hat mit ihnen nichts zu tun.
Aber es macht uns Deutschsprachige aus, dass es diesen Bruch gibt, dass wir die Wurzeln nicht zurückverfolgen, sondern dass geschwiegen wird über den Krieg, den Nationalsozialismus und alles, was damit verbunden ist. Aber da die eigene Verwurzeltheit nicht zu spüren und zu wissen was passiert ist, nicht drüber zu sprechen - das erscheint mir als etwas irgendwie Abgekapptes. Deswegen glaube ich wirklich, dass es immer neu gefunden werden muss, für jede Generation. Anderen Nationen geht das übrigens nicht anders: Ich habe viele Gespräche geführt mit Russen oder Bosniern, die Kriegserfahrungen haben - da gibt es ein Tabu. Du sprichst da nicht mehr drüber. Da geht soviel verloren dadurch und das Verdrängte wird dann irgendwann wiederkehren. Entweder sie müssen selbst wieder etwas durchleben - hoffentlich nicht - oder sie setzen sich halt neu damit auseinander. Mir erscheint zum Beispiel jetzt die Auseinandersetzung mit dem Krieg und den Verbrechen der Wehrmacht - gerade gibt es ja wieder einen öffentlichen Diskurs aufgrund des ZDF-Dreiteilers "Unsere Mütter, unsere Väter" -, mit erscheinen diese Diskussionen da sehr naiv. Da geht es wirklich darum: Hat mein Großvater geschossen als Soldat? Das finde ich lächerlich: Jeder Soldat war beauftragt, Menschen zu erschießen, oder auf andere Weise zu töten.
Diese Naivität und diese fast schon unschuldige Frage danach erscheint mir absurd. Trotzdem muss es anscheinend so sein, und jede neue Generation muss und soll das auch fragen dürfen. Meine Haltung ist da auch vielleicht nicht angemessen. Eine naive Frage muss erlaubt sein.
Bei meinen Nichten war es schon so, als sie unter anderem durch meinen Film erfahren haben, was wirklich vorgefallen ist - das war ein Schock. Weil es unvorstellbar ist, das mit der eigenen Familie in Zusammenhang zu bringen. Dieses Schweigen löst - egal welche Schuld da war - in jeder Familie etwas aus.
Ich b in überzeugt, dass Tabus Auswirkungen haben in die nächste Generation; und dass mehrere Familienmitglieder, wenn sie sich dann um diese Tabus und Familiengeheimnisse kümmern, wenn sie sich damit konfrontieren, dass das dann etwas sehr Gutes ist für die Familie und alle Nachkommen.

Geschichte ist eben etwas sehr Konkretes, nichts Abstraktes. Es waren immer irgendwelche Menschen, die geschossen haben, oder am Schreibtisch irgendwelche Dokumente unterzeichnet haben. Ich denke, dass die Frage, ob der Großvater geschossen hat, oder "nur" etwas unterschrieben hat, schon wichtig ist.
Aber Du hast eben gesagt: Das heutige Europa ist entstanden aus der Erfahrung des Völkermords, der Lager, der folgenden Teilung Europas... Muss dies jede Generation für sich selbst erfahren? Wie geht man damit um, damit das nicht nur eine Erfahrung ist, die wie ein Denkmal irgendwo im Raum steht? Wie geht man damit heute um?

Albert: Ich war erstmals hier in Berlin 1987 und dann ab 1989 bis 1994 recht viel. Schon immer ist Berlin für mich wirklich auf bestimmte Art eine Stadt des Krieges. Man hat den Krieg sehr stark gespürt, und ich fand das auch sehr gut. Es ist ein Mahnmal, dass einem etwas konkret vor Augen führt, und zeigt - auch wenn das jetzt platt klingt -, dass man weiß, dass dies nicht mehr vorkommen soll.
Wenn ich jetzt mit meinem fünfjährigen Sohn durch die Stadt gehe, merke ich, dass ich darauf immer hinweise, dass ich da sehr wach und empfänglich bin für die Kriegsgeschichte. Daraus entstehen sehr spannende und interessante Gespräche. Fahr einfach am Anhalter Bahnhof vorbei, der nach wie vor eine Ruine ist. Warum schaut der so aus?
Wir dürfen unsere Geschichte nicht verlieren.
Und es ist besser, etwas zu erzählen, was spürbar ist, was physischer ist, worin es wirklich um Menschen geht, die man vielleicht kennt, von denen man gehört hat, als wenn das später im Schulbuch irgendeine Jahreszahl ist.

Dadurch, dass der Zweite Weltkrieg und die Nazi-Diktatur ein Blick in den Abgrund waren, sowohl des Menschlichen wie der eigenen Kultur, gibt es auch einen bestimmten, sonderbaren Effekt: Es wird fast zu einem Themenpark. Der Nationalsozialismus wird zu einem Genre.
Es gibt einen Voyeurismus und man kennt eigentlich die Figuren und die Handlungsstereotypen. Wie im Kasperltheater - es gibt den Polizist, es gibt das Krokodil - man kann aber immer neue Geschichten mit ihnen erzählen, indem man sie neu kombiniert.
Das Bewusstsein des Stereotypen, dieses Bewusstsein der Kombinierbarkeit, das Bewusstsein, dass ein guter Film hierüber eine zweite Ebene und eine Reflexion von innen erfordert, scheint mir in Deinem Film sehr präsent zu sein. Du hast genau überlegt, wie Du diese Stereotypen vermeidest: Du hast keinen Kostümfilm gedreht, Du zeigst Deinen Großvater nicht in irgendwelchen Erinnerungsflashbacks im Krieg oder Lager. Stattdessen suchst Du die Orte auf, so wie sie heute aussehen:  Warschau, Auschwitz, Siebenbürgen. Du zeigst Deine Figur auch, wie sie Gedenkstätten aufsucht; Du zeigst: Erinnerung hat, wenn man sie ernst nimmt, etwas mit Aktenlesen und mit Faktenwissen zu tun, etwas mit Filmegucken zu tun. Du bringst Verfremdungselemente rein.
Kannst Du etwas über Deine Überlegungen erzählen? Hattest Du in dieser Vorgehensweise Vorbilder?

Albert: Ich glaube nicht an die Darstellbarkeit dieser historischen Ebene. Es war für mich nie die Frage, ob ich so etwas machen wollte. Es ist in unserer Generation auch ein Genre. Es ist eigentlich reißerisch und voyeuristisch. Spätestens als ich "Schindler's Liste" gesehen hatte, war für mich klar, dass das für mich nicht funktioniert.
Wenn ich diesen hergestellten, konstruierten Film vergleiche mit Berichten der tatsächlichen Zeitzeugen, dann ist das soviel klarer, wahrer, auch emotionaler. Ich hätte wirklich Hemmungen gehabt, diese historische Geschichte zu konstruieren, und nach einer Darstellungsweise für die Vergangenheit zu suchen. Ich glaube nicht daran dass ich damit der Wahrheit näher komme.
Und diese Frage - Wie komme ich der Wahrheit näher? - war mir schon wichtig. Wobei mir klar ist: Es ist nicht möglich, eine Wahrheit zu erkennen. Deswegen habe ich Filter davor gestellt...

Ja, etwas Perspektivisches. Du zeigst eigentlich immer Perspektiven auf die Wahrheit, aber Du benennst die Wahrheit nicht...

Albert: Man kann die Wahrheit gar nicht sehen, weil dieser Filter des Mediums dazwischen steht. Etwa diese Videos, die sich die Sita anguckt: Erstmal erkennt man nicht alles, weil es auch rauscht, weil sich das Bild fast auflöst - fast wie die Erinnerung sich auflöst. Und man weiß auch nicht, ob es wirklich die Wahrheit ist, denn nur weil jemand vor der Kamera spricht, muss es ja nicht die Wahrheit sein.
Was mich interessiert hat, waren diese verschiedenen Ebenen: Auch die Schwarz-Weiß-Fotos. Lachende Frauen in Auschwitz... Das Interessanteste wäre es, die Rolle der Frauen zu beleuchten, als Partnerinnen der Täter, in Auschwitz. Das sind ganz spannende Figuren. Auch diese Schwarz-Weiß-Bilder sind wieder Filter. In letzter Zeit tauchen ja oft Farbfotos auf, die wir so erschreckend nahe finden und auch viel wirklicher. Weil wir es nicht schaffen, diesen Filter davor zu legen, ist es dann plötzlich gespenstisch nahe.
Ich wollte diese Filter im Film, weil ich auch da nicht an die Wahrheit glaube. Weil ich nicht glaube, dass es möglich ist, heute eine Wahrheit zu sehen und zu benennen. Ich finde es sehr schwierig, sich in eine Figur hineinzuversetzen, die damals gelebt hat. Denn sie hatte all das Wissen nicht, das wir heute haben. Und die Begeisterung für die Sache damals war auch viel naiver. Es kommt auch einaml vor, dass der Vater sagt: „Die waren naiv“. Es soll nicht entschuldigen: Aber es ist nicht vorstellbar: Wie hat sich jemand als 18-jähriger gefühlt. Wir können es nicht nachvollziehen

Eigentlich ist immer wieder in Deinen Antworten eine autobiographische Dimension erkennbar. Ist ziemlich alles aus eigenen Erfahrungen geschöpft, oder wo beginnt die Fiktionalisierung?
Albert: Es gibt zwei Figuren, die sind sehr nahe an realen Vorbildern: Die Großvater-Figur, und dieser Onkel, der Schriftsteller ist. Der Dieter Schlesack, der dafür das Vorbild ist, möchte ich nicht gleichsetzen. Aber er hat viel zu dem Thema gearbeitet. Er hat ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben: "Capresius, der Auschwitzapotheker". Er hat in seiner Familie SS-Offiziere gehabt. Das ist einfach eine familiäre Belastung, die er verarbeitet hat - ein sehr spannender Schriftsteller.
Man kann schon sagen, dass Sita ein Alter Ego von mir ist. Aber alles, was sie erlebt, sind konstruierte Geschichten.
Wie immer in meinen Filmen gibt es Anlehnungen an Momente die ich erlebt habe. Aber der Film ist nicht mein Tagebuch. Und es ist auch nicht so, dass ich den Film aus therapeutischen Gründen gemacht hätte. Das glaubt zwar niemand, aber ich erzähle in allen meinen Filmen etwas, das mit mir zu tun hat. Bei einer Autorenfilmerin ist das so. In diesem Fall wird allerdings mehr gefragt, warum.
"Warum Auschwitz?" haben Leute gefragt, warum nicht ein anderes Lager? Ich spüre, dass es der Film manchen Leuten schwer macht, ihn zu sehen, weil es mit ihren eigenen Geschichten zu tun hat. Der Film ist aber auch für andere ein Anstoß, mit Menschen zu sprechen, die noch leben.
Ich habe den Film nicht gemacht, um Menschen aufzuklären, aber wenn so etwas passiert, ist es schön.

 

 

KURZBIOGRAFIE von Barbara Albert


BARBARA ALBERT wurde 1970 in Wien geboren. Sie studierte zunächst Theaterwissenschaft,
Germanistik und Publizistik bevor sie 1991 mit dem Regie- und Drehbuchstudium an der Wiener Filmakademie begann.
Sie arbeitete als Regie- und Schnittassistentin und spielte als Schauspielerin unter anderem in „MEMORY OF THE UNKNOWN“ (Regie: Natalie Alonso Casale) und „CRASH TEST DUMMIES“ (Regie: Jörg Kalt) mit.
Ihren international erfolgreichen Kurzfilmen folgte der erste Langspielfilm
„Nordrand“, der 1999 bei den Filmfestspielen in Venedig gezeigt wurde.
Nina Proll gewann den Marcello Mastroianni-Preis als beste Nachwuchsschauspielerin.
Im selben Jahr gründete Barbara Albert gemeinsam mit Martin Gschlacht, Jessica Hausner und Antonin Svoboda die Produktionsfirma coop99.
Barbara Albert fungierte als Co-Autorin bei GRBAVICA (Goldener Bär bei der Berlinale 2006),
SLUMMING (im Wettbewerb der Berlinale 2006), DAS FRÄULEIN (Goldener Leopard in
Locarno 2006) und STRUGGLE (Cannes 2003).
Außerdem schrieb sie das Drehbuch zum Spielfilm AUSWEGE (Regie: Nina Kusturica, Berlinale 2004, Perspektiven des jungen Films).
Als Produzentin war Barbara Albert mitverantwortlich für DARWIN‘S NIGHTMARE (Hubert Sauper), DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI (HansWeingartner) und SCHLÄFER (Benjamin
Heisenberg).
Daneben war (und ist) sie als Gastprofessorin und Lektorin an mehreren Hochschulen in
Österreich und Deutschland tätig (Wiener Filmakademie, ifs Köln, KHM Karlsruhe, FH
St.Pölten). 2007 wurde ihr Sohn Tristan Sunny geboren, seit 2010 lebt sie in Berlin.

FILMOGRAFIE, FESTIVALS & PREISE von Barbara Albert

Fallen (Spielfilm) 2006
Weltpremiere: Biennale di Venezia 2006, Wettbewerb
Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin:
Hauptpreis Fliegender Ochse
Max-Ophüls-Preis Filmfestival Saarbrücken: Preis
für die beste Nachwuchsdarstellerin Gabriela Hegedüs

Mars (Kurzfilm) 2004
Österreichischer Beitrag für „Visions of Europe“ (arte),
coop99 filmproduktion, Zentropa (DEN)

Böse Zellen (Spielfilm) 2003
Prod. coop99 Filmproduktion, Zero Film (D), Fama Film (CH)
Locarno Int. Film Festival in competition 2003

Zur Lage (Dokumentarfilm) 2002
zusammen mit Michael Glawogger, Ulrich Seidl
und Michael Sturminger
Locarno Int. Film Festival 2002

Nordrand 1999
Biennale di Venezia 1999, Wettbewerb
Marcello Mastroianni Preis für Nina Proll:
beste Nachwuchsdarstellerin
Viennale 1999: Wiener Filmpreis,
Preis der FIPRESCI-Jury
Int. Stockholm Film Festival: Best First Feature Film
Max-Ophüls-Film-Festival Saarbrücken 2000:
Förderungspreis & Bestes Drehbuch

Slidin’ – Alles bunt und wunderbar 1998
(Episode “TAGADA”, 30 min)
Rotterdam Int. Film Festival 1999, Tiger Award competition

Sonnenflecken (Kurzfilm) 1998
Win Femme Film Festival, Los Angeles 1999: Best Short Film

Somewhere else (Dokumentarfilm) 1997
Festival der Menschenrechte, Leipzig 1998

Die Frucht deines Leibes (Kurzfilm) 1996
Int. Filmfestival Locarno ‘97: Leoparden von morgen,
Prix SSR (D/A/CH)
Rencontres Internationales Henri Langlois Festival du Film,
Poitiers: Le Prix Spécial du Jury

 

 

DARSTELLER

ANNA FISCHER         
Als Sita

geb. am 18. Juli 1986 in Berlin. Sie ist im Fernsehen mit ihrer Darstellung ungewöhnlicher Figuren aufgefallen und hat dafür in den letzten Jahren mehrere Preise erhalten: 2009 den Deutschen Fernsehpreis als beste
Nebendarstellerin in WIR SIND DAS VOLK, ebenfalls 2009 den Adolf-Grimme Preis für die beste Hauptrolle im
Mehrteiler TEUFELSBRATEN mit mehreren Fernsehpreisen bedacht worden. 2006 wurde sie auf dem Max-Ophüls-
Preis Filmfestival ‘entdeckt’; sie erhielt dort den Preis als beste Nachwuchsdarstellerin in LIEBESKIND.

Preise

2011 Gewinnerin DIVA AWARD als Schauspielerin des Jahres 2010 für ihr Schauspiel in GROUPIES BLEIBEN NICHT ZUM FRÜHSTÜCK, WIR SIND DIE NACHT und MASSERBERG
2009 Deutscher Fernsehpreis als Beste Nebendarstellerin in den Mehrteilern DIE REBELLIN und WIR SIND DAS VOLK
2009 Adolf-Grimme-Preis für die Beste Hauptrolle im Mehrteiler TEUFELSBRATEN
2007 Goldene Kamera als Beste Nachwuchsdarstellerin
2006 Max-Ophüls-Preis als Beste Nachwuchsdarstellerin in LIEBESKIND

Filmografie

2012 DIE LEBENDEN Hauptrolle, Regie: Barbara Albert, COOP 99 FILMPRODUKTION
2011 HEITER BIS WOLKIG Hauptrolle, Regie: Marco Petry, Film1
2011 SECHSTER SINN, DRITTES AUGE, ZWEITES GESICHT Kurzfilm, Regie: Jan Riesenbeck, Ocean Pictures
2009 WIR SIND DIE NACHT Hauptrolle Ensemble, Regie: Dennis Gansel, Ratpack
2009 GROUPIES BLEIBEN NICHT ZUM FRÜHSTÜCK Hauptrolle, Regie: Marc Rothemund, Samfilm, ARD
2009 LIEBE MAUER Hauptrolle Ensemble, Regie: Peter Timm, Relevant Filmproduktion
2008 UNTER STROM Hauptrolle, Regie: Zoltan Paul, Atollfilm
2007 FLEISCH IST MEIN GEMÜSE Hauptrolle Ensemble, Regie: Christian Görlitz, NDF
2005 BOMBEN AUF BERLIN Kurzfilm, Regie: Bernd Lange, Gambit Film, Arte
2004 MÜSSEN ENGEL FLIEGEN Kurzfilm, Hauptrolle, Regie: Lars Kreyßig, Filmakademie Baden Württemberg
2004 SCHWARZE ERDBEEREN Kurzfilm, Hauptrolle, Regie: Nikias Chyssos, Filmakademie Baden Württemberg
2004 KOMETEN Regie: Till Endemann, Eikon Media, SWR
2004 LIEBESKIND Hauptrolle, Regie: Jeanette Wagner, Beaglefilms, ZDF, Dffb

 

HANNS SCHUSCHNIG
Als Großvater

Hanns Schuschnig ist in Siebenbürgen geboren und war dort viele Jahre an Theaterhäusern tätig.
Sein umfangreiches Schaffen umfasst Inszenierungen vom Kammertheater über Freilichtspiele bis zur Oper, Bühnenbilder, Kostüme und Choreografien. Seit vier Jahrzehnten lebt und arbeitet er im Allgäu (Deutschland)
Als Schauspieler ist er nur gelegentlich (allerdings in bedeutenden Rollen) aufgetreten.
Seine Filmografie beschränkt sich auf „Die Lebenden”.

 

AUGUST ZIRNER
Als Vater      

August Zirner wurde 1959 als Sohn österreichischer Emigranten in Urbana/Illinois in den USA geboren. Nach seinem
Schauspielstudium am Max-Reinhardt-Seminar in Wien stand der vierfache Vater für zahlreiche Theaterproduktionen in Wien, Hannover, Wiesbaden, München, Salzburg oder Zürich auf der Bühne. Seit über 25 Jahren ist August Zirner auch vom Bildschirm und von der Leinwand nicht mehr wegzudenken. Er spielte in rund 90 Filmen.

Filmografie

2012 Die Heimkehr (ARD, R: Jo Baier)
2007 Die Fälscher (R: Stefan Ruzowitzky, Oscar 2008 als Bester fremdsprachiger Film)
2005 Speer und Er (ARD, R: Heinrich Breloer),
2004 Die Kirschenkönigin (ZDF, R: Rainer Kaufmann)
2001 Gebürtig (R: Lukas Stepanik und Robert Schindel)
2001 & 2011 Das Sams (R: Peter Gersina)
2000 Taking Sides (R: Istvan Szabo)
1998 Pünktchen und Anton (R: Caroline Link)
1998 Suzie Washington (R: Florian Flicker)
1997 Die Apothekerin (R: Rainer Kaufmann)
1995 Stadtgespräch (R: Rainer Kaufmann)
1993 Das Versprechen (R: Margarethe von Trotta)
1990 Homo Faber (R: Volker Schlöndorff) sowie
1989 Wahre Liebe (R: Kitty Kino)

 

ITAY TIRAN
Als Jocquin

Itay Tiran studierte ursprünglich Klavier am Petach Tivka Municipal Conservatory und beendete sein Studium an der Thelma Yellin High School of the Arts.
Danach, 1999, begann er seine Schauspielausbildung an der Beit Zvi Acting
School nahe von Tel Aviv. Schon während seiner Ausbildung war er Ensemblemitglied am Cameri Theater in Tel Aviv, wo er auch 2006 als “Hamlet” den “Best Actor Award”, einem Preis der Israelischen Theater, gewann. Neben regelmäßigen Auftritten in israelischen Fernsehserien spielte er in Filmen wie “Forgiveness”, “Beaufort” (Silberner Löwe bei den Filmfestspielen 2007 in Venedig und Nominierung für die Academy Awards als
bester fremdsprachiger Film 2008) oder “Lebanon” (Samuel Maoz-Goldener Löwe in Venedig 2009), wo er in einer Hauptrolle zu sehen ist.

Filmografie

2012 Lauf Junge Lauf, Pepe Danquart
2012 Die Lebenden, Barbara Albert
2011 Anleitung zum Unglücklichsein, Sherry Hormann
2010 The Promise, Peter Kosminsky
2009 Lebanon, Samuel Maoz
2007 Beaufort, Joseph Cedar
2007 The Debt, Assaf Bernstein
2006 Israeli Best Actor in Theatre
2006 Forgiveness, Udi Aloni
2003 Franco Ve’Spector, Amalia Margolin

 

DANIELA SEA
Als Silver

Die US-Amerikanerin Daniela Sea arbeitet als Schauspielerin, Filmemacherin und Künstlerin im Film-, Performance- und
Musikbereich. Einige Jahre verbrachte sie auf Reisen durch West- und Osteuropa und durch Asien. Die Erfahrungen auf dieser Wanderschaft haben ihr Verhältnis zum Leben und zu ihrer Arbeit stark beeinflusst. Mit 16 Jahren verließ sie die USA das erste Mal, um andere Lebensformen zu erforschen. Die darauffolgenden Jahre haben sie - neben vielen anderen Stationen - wie die Figur „Silver“ nach Polen geführt, aber auch ein halbes Jahr lang nach Indien, wo sie sich in der Zeit als Mann ausgegeben hat.
Zurück in den USA hat sie versucht, die Grätsche zwischen Bildender Kunst, Independent Music und Schauspiel zu schaffen, um ihr exzentrisches Leben letztlich auf die Leinwand zu bringen.
Bahnbrechend war ihre Rolle als „Max“ in der Fernsehserie THE L WORD (Showtime). Außerdem war sie in John Cameron Mitchells SHORTBUS und in Jamie Babbit‘s ITTY BITTY
TITTY COMMITTEE, Amie Siegel‘s BLACK MOON und Erika Vogts GEOMETRIC PERSECUTION zu sehen.
Als Regisseurin debütierte sie mit dem Experimentalfilm STICK, STICK, STUCK mit Dawn Kasper und Eden Batki. Derzeit arbeitet sie an einem Langspielfilm und einem Dokumentarfilmprojekt.
Ihre Zusammenarbeit mit dem Musiker Will Schwartz (IMPERIAL TEEN, HEY WILLPOWER) lässt sie in Gallerien, Theatern und Museen in Los Angeles auftreten.
Das Stück BEACH, A.K.A. UNTITLED, in dem sie die Migrations- und Genderbewegung mittels Sound, Film und Live Performance erforscht, hat sie nicht nur geschrieben, sondern spielt darin auch selbst die Hauptrolle

 

WINFRIED GLATZEDER
Als Onkel

Winfried Glatzeder ist der charmant schlaksige Paul in DIE LEGENDE VON PAUL UND PAULA (1973). Mit dieser Rolle wird der Schauspieler bis heute in Verbindung gebracht, der Film hat Kultstatus. Aber auch in anderen Rollen, etwa als Doktorand Erwin Graffunda und als Till Eulenspiegel machte sich der Darsteller bei der DEFA einen Namen und wird Mitte der 70er Jahre zum Publikumsliebling.
In rund 20 DEFA-Kino- und Fernsehfilmen stand er vor der Kamera. 1982 verlässt er mit seiner Familie die DDR.

Filmografie

2010–2012 Unser Charly (TV-Serie)
2008 Tischlein deck dich
2006 Karl-May-Spiele: Winnetou III (TV)
2005 Berlin, Berlin, Folge: Rituale (TV-Serie), Die Boxerin, Tantalus
2004 Freunde zum Essen (TV)
2001 Pinky und der Millionenmops
2000 Die Wache, Folge: Zirkusluft (TV-Serie)
1999 Sonnenallee
1998 Die kaukasische Nacht, Tatort: 4 Folgen (TV-Reihe)
1997 Das Geheimnis des Sagala (TV-Serie). Pension Schöller (TV)
1996-1997 Tatort: 8 Folgen (TV-Reihe)
1995 Derrick, Folge: Mitternachtssolo (TV-Serie)
1994 Derrick, Folge Gesicht hinter der Scheibe (TV-Serie)
1993 Happy Holiday (TV-Serie)
1992 Sterne des Südens (TV-Serie)
1991 Edgar, Hüter der Moral (TV-Serie)
1991 Tote leben länger
1991 Tandem, Tanz auf der Kippe
1991 Zwischen Pankow und Zehlendorf
1991 Das Land
1991 hinter dem Regenbogen
1991 Tote Briefe (TV)
1991 Gossenkind
1990 Gefährliche Verführung (TV-Zweiteiler)