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CREDITS

TEAM

Buch, Regie Michael Obert

Kamera Siri Klug

Montage Wiebke Grundler

Ton Timo Selengia

Sounddesign Marian Mentrup

Produktion Tondowski Films and Friends GmbH&Co KG

Co-Produktion ma.ja.de. filmproduktions GmbH Westdeutscher Rundfunk

Produzenten Ira und Alexandre Tondowski (Tondowski Films)

Co-Produzent Heino Deckert (ma.ja.de)
Jutta Krug (WDR)

Förderung Medienboard Berlin-Brandenburg

TECHNISCHE DATEN

Länge 97 min

Jahr 2013

Bild Farbe / 1:1,85

Drehformat Digital Cinema / High Definition

Vorführformat DCP (24fps)

Ton Surround

Originalsprache Englisch

Untertitel Deutsch, Französisch


Song from the Forest


Ein Dokumentarfilm von Michael Obert

Kinostart: 11. September 2014


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Aachen  Apollo  ab 11.9.     
Alpirsbach  Subiaco  8.1.-14.1.2015     
Bad Urach  forum 22  9.-15.10.     
Bamberg  Lichtspiel  13.11.-19.11.     
Berlin  Babylon Mitte  ab 27.11.     
Berlin  Bali Kino  ab 9.10.     
Berlin  Brotfabrik  18.12.-23.12.     
Berlin  Cinemaxx Potsdamer Platz  24.+25.01.2015  Green Me Filmfestival   
Berlin  Delphi  2.9.  Premiere 20.00 Uhr   
Berlin  b-ware Ladenkino  ab 11.9.  am 10.+11.10. Kamerafrau Siri Klug zu Gast   
Berlin  Delphi  ab 11.9.  Matineen   
Berlin  Hackesche Höfe  ab 11.9.     
Berlin  fsk  ab 11.9.  am So 14.9., 18.00 Uhr + So, 28.9. 16.00 Uhr Regisseur zu Gast   
Berlin  Kant Kino  ab 16.10.     
Bochum  Endstation  ab 11.9.     
Bonn  Filmbühne  ab 11.9.     
Bonn  Woki  13.04.2015     
Breisach  KoKi  4.10.+5.10.  Sa 20.15 Uhr+So 17.00 Uhr beide Termine mit Regisseur   
Bremen  City 46  3.10.-6.10.     
Chemnitz  Clubkino  23.10.-29.10.     
Dortmund  Camera  ab 11.9.     
Dresden  Thalia  ab 11.9.     
Duisburg  Filmforum  12.9.-14.9.     
Düsseldorf  Metropol  11.+12.10.     
Düsseldorf  Filmwerkstatt  17.10.     
Erlenbach  Kino Passage  2.11.+5.11.     
Essen  Luna  ab 11.9.     
Esslingen  Koki  13.11.-19.11.     
Fellbach  Orfeo  22.10.     
Flensburg  51 Stufen  8.+9.11., 22.+23.11.+29.+30.11.     
Frankfurt  Mal Seh´n  ab 11.9.  am Fr 12.9. 17.30 Uhr, Regisseur zu Gast, Kooperation mit Medico International   
Frankfurt  Orfeos Erben  ab 18.9.     
Frankfurt  Filmtheater Valentin  23.10.-29.10.     
Freiburg  Friedrichsbau  ab 11.9.  am Sa 13.9. 19.00 Uhr, Regisseur zu Gast   
Freudenstadt  Subiaco  18.12.-24.12.     
Friedrichshafen  Studio 17  4.-8.12.     
Gera  Comma  15.10.     
Göppingen  Kino Open End  11.04.2015     
Göttingen  Lumiere  4.12.-10.12.     
Hachenburg  Cinexx  am 9.11. und ab 13.11.  am 9.11. mit Regisseur   
Hamburg  Abaton  1.9.  Premiere 20.00 Uhr   
Hamburg  Abaton  28.12.     
Hamburg  Zeise  28.9. Matinee     
Hannover  Kino im Künstlerhaus  ab 11.9.     
Hannover  Kino im Sprengel  19.9.+20.9.  am Fr 19.9. 20.30 Uhr Regisseur zu Gast   
Heidelberg  Karlstor  20.9.-23.9.     
Heilbronn  Koki  13.01.2015     
Hillesheim  Eifel-Film-Bühne  16.10.-22.10.     
Immenstadt  Union  ab 30.10.     
Ingolstadt  Audi-Programmkino  13.11.-19.11.     
Inning am Ammersee  Alte Brauerei Stegen  25.+26.10.     
Karlsruhe  Kinemathek  08.01.-14.01.2015     
Kiel  KoKi  18.9.-24.9.     
Köln  Odeon  3.9.  Premiere 20.00 Uhr   
Köln  Odeon  ab 11.9.     
Köln  Filmpalette  ab 11.9.     
Konstanz  Scala  ab 11.9.     
Leipzig  Schaubühne  9.10.-22.10.     
Lich  Kino Traumstern  26.10.-29.10.     
Lübeck  KoKi  13.11.-19.11.     
Ludwigsburg  Caligari  16.-17.10.+20.-21.10.     
Ludwigslust  Luna  13.11.-19.11.     
Lüneburg  Scala  21.12.  Matinee   
Mainz  Cinemayence  23.10.-26.10.     
Mannheim  Cinema Quadrat  11.-17.12.     
Marburg  Kammer  ab 2.10.     
München  Arri  28.9. Matinee     
München  Arena   7.12.+14.12.  Matinee   
München  City  28.9. Matinee     
München  Monopol  ab 25.9.     
Münster  Cinema  ab 11.9.     
Neitersen  Wied Scala  13.11.-19.11.     
Nürnberg  Filmhaus  ab 18.9.     
Ochsenfurt  Casablanca  23.10.-26.10.     
Oldenburg  Casablanca  im Sept.      
Passau  Scharfrichter  ab 11.9.     
Penzberg  Kino P  ab 2.10.     
Pforzheim  KoKi  ab 25.12.     
Potsdam  Filmmuseum  11.12.  Regisseur und Kamerafrau zu Gast   
Potsdam  FÖN e.V.  28.03+ 29.03.+ 10.04.2015     
Regensburg  Filmgalerie  27.-29.10.  Wiedereinsatz   
Rostock  Lichtspiel Wundervoll  10.+12.+17.10.     
Saarbrücken  Kino 8 1/2  13.+14.9., 20.9.-22.9.     
Schorndorf  Kleine Fluchten  7.11.-16.11.     
Schramberg  Subiaco  11.12.-17.12.     
Schwäbisch Hall  Kino im Schafstall  14.+16.11.     
Seefeld  Breitwand  ab 11.9.     
Simmern  Pro-Winzkino  11.01.2015     
Sinsheim  Citydome  04.03.2015     
Stuttgart  Delphi  ab 11.9.  am Do 11.9. 18.00 Uhr Regisseur zu Gast   
Trier  Broadway  7.+9.+10.12.     
Trostberg  Stadtkino  25.9.-1.10.     
Tübingen  Arsenal  ab 18.9.     
Ulm  Obscura  ab 11.9.     
Wasserburg  Utopia  16.10.-22.10.     
Weikersheim  Kinomobil e.V.   10.01.2015     
Weimar  Lichthaus  ab 18.9.     
Weingarten  Linse  23.10.-29.10.     
Wiesbaden  Murnau Filmtheater  9.10.-12.10.     
Witzenhausen  Capitol  ab 27.11.     
Wuppertal  Gathedrale in der alten Feuerwache  28.01.2015     
Würzburg  Central Programmkino  19.11.-21.11.     

PRESSENOTIZ

SONG FROM THE FOREST ist ein Film über die Liebe – die Liebe zur Musik, zur Natur, zur Welt; die Liebe zwischen Vater und Sohn. SONG FROM THE FOREST ist auch ein Film über den Zustand der Welt und über einige der großen Themen zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Heimat, Identität, Entfremdung, Interkulturalität, Globalisierung.

In einem modernen Epos begleitet der Journalist und Filmemacher Michael Obert den amerikanischen Musikologen Louis Sarno und seinen Sohn, den Pygmäenjungen Samedi, auf ihrer Reise vom afrikanischen Regenwald nach New York City. SONG FROM THE FOREST ist der Gewinner des Internationalen Dokumentarfilmfestivals 2013 Amsterdam und feiert seine Deutschlandpremiere beim DOK.Fest München 2014 in der Reihe DOK.panorama.

 

 

INHALT


Als junger Mann hörte der Amerikaner Louis Sarno im Radio einen Gesang, der ihn nicht mehr losließ. Er folgte den geheimnisvollen Klängen bis in den zentralafrikanischen Regenwald, fand seine Musik bei den Bayaka-Pygmäen – und kam nicht mehr zurück. Heute, 25 Jahre später, ist Louis ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft aus Jägern und Sammlern.
Mit einer Bayaka-Frau hat Louis einen Sohn, den 13-jährigen Pygmäenjungen Samedi. Als Baby war Samedi schwer krank und lag im Sterben. Louis hielt ihn die ganze Nacht und versprach ihm: „Wenn du überlebst, zeige ich dir eines Tages die Welt, aus der ich gekommen bin.” Nun löst er sein Versprechen ein und reist mit seinem Sohn aus dem afrikanischen Regenwald in jenen anderen Dschungel aus Beton, Glas und Asphalt – nach New York City. Hier treffen sie auf Familienangehörige und alte Weggefährten wie Louis´ Studienfreund Jim Jarmusch, in dessen Filmen Dead Man (1995) und Ghost Dog (1999) sich Anklänge an Sarnos Lebensgeschichte finden.


Schon bald nach ihrer Ankunft die Überraschung: Samedi, der den Regenwald bis dahin nie verlassen hat und kein Wort Englisch spricht, kommt in Amerika sehr viel besser klar als Louis. Die Annäherung an die Welt, die der Vater vergessen wollte und die der Sohn nun erobern will, verläuft langsam, leise und mit Rückschlägen. Getragen vom Kontrast zwischen dem Regenwald und dem urbanen Amerika, wächst das ungleiche Paar unterwegs immer schicksalhafter zusammen. SONG FROM THE FOREST erzählt von ihren Siegen, aber auch von ihren Niederlagen.
Ein modernes Epos, das am Ende der gemeinsamen Reise von Vater und Sohn auf einen überraschenden Rollentausch zusteuert. Und auf die Ahnung des Zuschauers, dass der afrikanische Regenwald und das urbane Amerika – die beiden scheinbar streng getrennten Welten – so getrennt gar nicht sind.

Buchtipps zum Film: www.piper.de/regenwald

 

 

MUSIK

 


SONG FROM THE FOREST kombiniert die traditionelle Musik der Bayaka mit Renaissancegesängen aus dem 16. Jahrhundert. Die Messe für vier Stimmen des Komponisten William Byrd, gesungen von der Oxford Camerata, ist eines von Louis Sarnos Lieblingswerken der klassischen Musik und bildet mit ihren fünf Teilen – vom Kyrie bis zum Agnus Dei – das musikalische Rückgrat des Films.
Die Musik der Bayaka, sozusagen die kulturelle Gegenspielerin der Renaissancegesänge, existiert praktisch nur noch in Louis´ Aufnahmen und in seiner Erinnerung. Als Louis mit seinem Sohn Samedi den Regenwald verlässt, um nach Amerika zu reisen, werden die polyphonen Gesänge der Bayaka und die überraschende Bandbreite ihrer Instrumentalstücke zu Louis´ innerer Stimme und zum Puls des Films. Die archaisch und zugleich zeitlos anmutende Musik der Jäger und Sammler ist die akustische und emotionale Verlängerung des Regenwalds in den urbanen Dschungel von Manhattan.  In den geheimnisvollen afrikanischen Klängen schwingen die Stimmen tropischer Vögel, der Duft des Waldes, morgendliche Nebel, das gelassene Strömen eines afrikanischen Flusses – mitten im Trubel des urbanen Amerikas.

Der gleichnamige Soundtrack zu SONG FROM THE FOREST mit rund 60 Minuten seltener Aufnahmen von Louis Sarno wird am 15. Mai auf der Filmwebseite www.songfromtheforest.com gelauncht.

 

 

INTERVIEW MIT MICHAEL OBERT


Wie sind Sie Louis Sarno zum ersten Mal begegnet?
Im Herbst 2009 war ich unterwegs im Kongobecken und hörte eher zufällig von einem weißen Mann, der tief im Regenwald seit Jahrzehnten bei den Bayaka-Pygmäen leben sollte. Ich machte mich auf die Suche nach ihm. Ein paar Tage später stand ich auf einer Lichtung, von allen Seiten strömten Bayaka auf mich zu und schrien mich an. Plötzlich verstummte der Lärm, und aus dem Unterholz löste sich eine hoch gewachsene Gestalt: ein Weißer, zwei Köpfe größer als die anderen, auf jedem Arm ein Pygmäenbaby. Er war Louis Sarno.

Wie ging das dann weiter mit Ihnen und Louis Sarno?


Ich ging mit Louis und den Bayaka für ein paar Tage auf Netzjagd in den Regenwald, danach verabschiedeten wir uns auf der Lichtung. Ein halbes Jahr später erreichte mich eine E-Mail aus dem afrikanischen Regenwald. Abgeschickt aus einer Forschungsstation für Waldelefanten und Gorillas. Von Louis Sarno. Es waren zwei Zeilen: „Meine Mutter hat mir ein Flugticket geschickt. Treffen in New York City?“ Dazu seine Ankunftszeit.


Sie flogen hin und trafen Louis Sarno in Amerika.Ich begleitete ihn zwei Wochen durch seine alte Welt und schrieb später darüber eine Titelgeschichte für das ZEIT Magazin. Auf dieser Reise besuchte ich mit Louis auch seine Mutter und seine Brüder in New Jersey und seinen besten Freund, den amerikanischen Filmemacher Jim Jarmusch.

Sie haben SONG FROM THE FOREST in zehn Wochen am Stück abgedreht, vor allem die Dreharbeiten im afrikanischen Regenwald müssen sehr anstrengend gewesen sein.
Um ein solches Projekt logistisch solide vorzubereiten, braucht man normalerweise ein bis zwei Jahre. In unserem Fall lagen zwischen der Idee zum Film und dem Drehbeginn nur wenige Monate. Meine Produzenten Alex und Ira Tondowski haben Großartiges geleistet. Und dann standen wir mit 600 Kilogramm Ausrüstung im Regenwald, mitten im Kongobecken. Ohne die Hilfe der Bayaka hätten wir den Film nicht machen können; sie waren großartig, sie wollten uns wirklich etwas geben.


Die Musik ist eine eigenständige Protagonistin in SONG FROM THE FOREST. Wie kam es zu der interessanten Mischung von Gesängen aus der Renaissance und der Musik der Bayaka?
Die Musik spielt in Louis Sarnos Leben – und in dem der Bayaka – eine tragende Rolle. Im Film haben wir mit Louis Sarnos Lebenswerk gearbeitet, mit seinen weltweit berühmten Aufnahmen: Über 1000 Stunden magische Gesänge und faszinierende Instrumentalstücke der Bayaka, die im Pitt Rivers Museum der Oxford University archiviert sind. Ein Großteil davon ist bei den Bayaka schon verschwunden; ihre Musik lebt heute nur noch in Louis’ Aufnahmen und in seiner Erinnerung.
Mit ihrer Abreise nach Amerika werden Louis und Samedi aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen. Die Bayaka-Musik wird zur inneren Stimme von Louis, zum Soundtrack seines Lebens und zum Puls des Films.

Und die Renaissancegesänge?


Es handelt sich um die Messe für vier Stimmen von William Byrd, gesungen von der Oxford Camerata.
In der Nacht nach meiner ersten Begegnung mit Louis schlief ich auf dem gestampften Lehmboden seiner Hütte, irgendwann erwachte ich und bekam eine Gänsehaut: Louis saß an seinem wurmstichigen Tisch, eingehüllt in das Rembrandt-Licht seiner Sturmlaterne, umschwirrt von den Lauten des Regenwaldes, und hörte eben diese Messe aus dem 16. Jahrhundert. Das hat mich umgehauen. Für mich ist in dieser Musik Louis´ gesamte Geschichte aufbewahrt, ihre Schönheit, aber auch ihre dunklen Seiten, ihre Melancholie und ihre Tragik.
Als dann die Idee aufkam, den Film zu machen, war sofort das Kyrie aus Byrds Messe da – noch vor dem ersten Bild. Im Schnitt haben wir den Begriff der „Dramaturgie“ ersetzt durch den der „Liturgie“. Der Film feiert eine Messe. Auf die Liebe zur Musik und zur Natur, auf die Liebe zum Leben – eine Liebe, die einen hohen Einsatz wert ist.

 

 

DIE HAUPTPERSONEN

LOUIS SARNO


Louis Sarno, geboren 1954 in New Jersey, genießt als Musikologe weltweite Anerkennung. Sein beeindruckendes Lebenswerk umfasst weit über 1000 Stunden Aufnahmen von Gesängen und Musikstücken, die bei den Bayaka oft bereits verschwunden sind. Sarno gehört zu den frühen Meistern der „akustischen Ökologie”, die sich auf die Suche nach sogenannten soundscapes machen, erhaltenswerten Klängen der Welt. Seine Aufnahmen sind archiviert in der Bibliothek des Pitt Rivers Museums der University of Oxford.
Schon als Kind schlägt Louis Sarnos Herz für die Musik. Von seinem Taschengeld kauft er Platten von Bach, Beethoven, Schubert und Mahler. Am College studiert er Englisch und Literatur und teilt seine Leidenschaft für experimentelle Musik mit seinem Zimmergenossen Jim Jarmusch, dessen Filme Dead Man (1995) und Ghost Dog (1999) später von Sarnos außergewöhnlichem Lebensweg inspiriert werden.
Ende der Siebzigerjahre heiratet Sarno eine Holländerin und zieht nach Amsterdam. Die Ehe hält nicht. In einer Winternacht Mitte der Achtzigerjahre hört er im holländischen Radio eine Musik, wie er sie nie zuvor vernommen hat: „Ein polyphones Geflecht aus Frauenstimmen, raffinierte Jodellaute, eine sich endlos wiederholende auf- und abschwellende Melodie. Diese fremdartigen Harmonien machten mir Gänsehaut, sie wirkten hypnotisch auf mich – pure Magie.“
Der Gesang aus dem Radio lässt Sarno keine Ruhe. Er forscht nach, findet heraus, dass er Pygmäenmusik gehört hat – und steigt mit seinem Aufnahmegerät und den letzten 500 Dollar in der Tasche in ein Flugzeug nach Bangui, Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik.

„Ich wurde von einem Lied ins Herz von Afrika gelockt“, schreibt Sarno in seinem Buch Der Gesang des Waldes. Louis findet seine Musik in den Regenwäldern des Kongobeckens. Bei den Bayaka. Das war 1985. Heute, mehr als ein Vierteljahrhundert später, lebt er noch immer unter den Pygmäen: „Sie führten mich in ihre Musik ein, im Gegenzug verlangten sie mein Leben. Ich denke, das ist ein fairer Tausch.“

Schon bald nach seiner Ankunft bei den Bayaka geht Sarno das Geld aus. Wochenlang füttern ihn die Jäger und Sammler mit gekochten Kaulquappen, die wie Schlamm schmecken, während sie ihr geröstetes Stachelschwein und die in Blut gekochten Antilopen-Innereien heimlich selbst verspeisen. Doch Sarno reist nicht ab. Und so erschließen sich ihm ganz allmählich immer neue Lebenskreise der Bayaka: nächtliche Gesangs- und Tanzrituale zu Geburt, Initiation und Tod, die Beschwörung der Waldgeister, die Jagd, die komplexen Hierarchien und Verwandtschaftsbeziehungen. Er spürt, dass er keine Wahl mehr hat: Er muss bleiben.
Wie besessen zeichnet Sarno die Musik der Bayaka auf. Tuning the world – die Welt einstellen, sie stimmen wie ein Klavier. Irgendwann geht sein Rekorder kaputt. Er kauft sich keinen neuen. Zuerst aus Geldmangel. Dann braucht er keinen mehr. Denn als er aufhört, die fremde Welt mit seinen Aufnahmen bannen zu wollen, geht er vollends in ihr auf. „Die längste Zeit meines Lebens habe ich bei den Bayaka verbracht“, sagt Sarno heute. „Sie sind meine Familie, der Regenwald ist mein Zuhause.“

Louis Sarno als Autor

Der Gesang des Waldes. Mein Leben bei den Pygmäen. Mit einem Vorwort von Michael Obert (2013 Malik National Geographic - Piper Verlag)

 

SAMEDI MATHURIN BOKUMBE

Louis Sarnos Sohn Samedi ist 13 Jahre alt. Sein Name bedeutet: Samstag. Er heißt so, weil er an einem Samstag geboren ist. Samedi hat den Regenwald bis zu seiner Abreise nach Amerika nie verlassen. Wie die meisten Bayaka-Kinder geht er nicht zur Schule und kann weder lesen noch schreiben. Louis hat seinem Sohn kein Englisch beigebracht.
Samedi führt das ganz normale Leben eines Bayaka-Jungen im Regenwald. Er badet im Fluss, macht Jagd auf Gürteltiere, schläft am Feuer im Waldcamp. Außerhalb der Jagdzüge seiner Gemeinschaft lebt er im Dorf am Waldrand in Louis´ Hütte. Seine Tage verbringt er lieber mit gleichaltrigen Freunden als mit seinem Vater, von dem er sich bereits zu lösen beginnt, denn in seinem Alter werden die ersten Bayaka-Jungen schon bald selbst Vater.

 

GOMÀ

Bald nach seiner Ankunft bei den Bayaka verliebt sich Louis Sarno in Gomà. In seinem Buch Der Gesang des Waldes ist ihre erste Begegnung beschrieben: „Plötzlich bemerkte ich, dass Mbina ein wunderschönes Mädchen entlauste, das ich noch nie zuvor gesehen hatte. Ich fragte mich, wie um alles in der Welt sie mir hatte entgehen können. Wer war sie? Sie saß in der typischen Stellung der Frauen da, direkt auf dem Boden, die Beine gerade nach vorne gestreckt, und trug nur einen gletscherblauen Slip. Sie starrte in die leere Luft und hatte einen verträumten Ausdruck in den Augen, während Mbina ihr durchs Haar fuhr und die Läuse zerknackte.“
Louis heiratete Gomà, eine winzige Frau mit verschmitztem Lächeln und gestrichelten Gesichtstätowierungen. Später entschied Gomà sich für einen anderen Mann. Gemeinsam ziehen Louis und Gomà ihren Sohn groß, den heute 13-jährigen Samedi.

 

 

DIE BAYAKA

Es war eine Musik, die vermutlich
älter als die Pyramiden war
und immer noch lebte,
und ihr wahrer künstlerischer Wert
war von kaum jemandem erkannt worden.
Louis Sarno

Die Aka oder Bayaka (gesprochen: Bei-jacka), auch als Babenzele bekannt, sind eine Untergruppe der rund 100 000 kleinwüchsigen Menschen, die in den Regenwäldern Zentralafrikas traditionell als Jäger und Sammler leben.
Die Bayaka sind eines der ältesten Völker der Erde. Die monogame Beziehung zwischen Mann und Frau ist stark; sie singen, tanzen, jagen zusammen und bereiten gemeinsam das Essen zu. Ethnologen halten Bayaka-Männer für „die besten Väter der Welt“, weil sie mehr Körperkontakt mit ihren Kleinsten haben als die Männer jeder anderen bekannten Gesellschaft. Auch Louis Sarno trägt ständig irgendein Baby auf dem Arm herum.
Die kulturelle Essenz der Bayaka findet sich in ihren jahrhundertealten polyphonen Gesängen. Um sich im Labyrinth des Regenwalds zurechtzufinden, hören die Bayaka auf Wasserläufe, auf das Knarren der Baumstämme, auf die Vögel, den Wind. Der Wald hat ihr Gehör geschärft. Sie vernehmen Laute nicht nur auf große Entfernung, sondern verstehen auch, was sie bedeuten. Jedem Geräusch kommt ein unmissverständlicher Sinn zu. Die Musik der Bayaka ist ein direktes Ergebnis dieses akustischen Weltverstehens. Der Wald ist das Orchester, dem die Bayaka ihre Soli hinzufügen.
2003 wurde die Musik der Bayaka von der UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt.
Die Existenz der Bayaka ist untrennbar verwoben mit dem Regenwald. Doch in den letzten Jahrzehnten wurden drei Viertel der Wälder im Kongobecken abgeholzt. Für die moderne Welt, die mit Holzfällern, Goldschürfern, Wilderern und fliegenden Händlern in den Lebensraum der Bayaka vordringt, sind die flinken Waldläufer nicht gerüstet. Die Bayaka kämpfen um ihr Überleben.

 

 

DAS BAYAKA SUPPORT PROJECT

Und ich dachte an eine Zeit,
in der es keine BaAka mehr geben würde,
in der der Urwald einfach ein leeres
und einsames Gebiet sein würde.
Louis Sarno
Die Bayaka und ihre einzigartige Kultur sind bedroht durch die Zerstörung des Regenwaldes, durch Wilderei und tödliche Krankheiten. Schon vor dem Beginn der Dreharbeiten suchten die Filmemacher Michael Obert (Regie), Alex & Ira Tondowski (Produzenten) and Percy Vogel (Associate Producer) nach Möglichkeiten, die Bayaka in ihrem Überlebenskampf zu unterstützen. Diese Bemühungen entwickelten sich zum BAYAKA SUPPORT PROJECT. Dieses versteht sich als Bindeglied zwischen den Bayaka und dem Publikum von SONG FROM THE FOREST, das den Bayaka direkt mit Spenden helfen kann. Hierzu schlägt das BAYAKA SUPPORT PROJECT auf der Webseite des Films www.songfromtheforest.com geeignete Projekte vor Ort vor, welche die Filmemacher mit ihrer jahrelangen engen Verbindung zur Gemeinschaft der Bayaka für sinnvoll und unterstützenswert halten, damit die Lebensbedingungen der Jäger und Sammler nachhaltig verbessert werden können.
Fünfzig Prozent der Erlöse von Film und Soundtrack des Hauptproduzenten von SONG FROM THE FOREST, Tondowski Films&Friends, fließen direkt in das BAYAKA SUPPORT PROJEKT.
(Details unter www.songfromtheforest.com – siehe dort: Help the Bayaka)

 

 

DIE FILMEMACHER

MICHAEL OBERT (Buch und Regie)

Michael Obert, geboren 1966 in Breisach am Rhein, ist ein preisgekrönter deutscher Buchautor und Journalist. Seit 20 Jahren bereist er die entlegensten Regionen der Erde, vergessene Paradiese, aber auch Krisen- und Kriegsgebiete. In seinen Reportagen berichtet er vor allem aus Afrika und dem Nahen Osten, unter anderem in Süddeutsche Zeitung Magazin, ZEIT Magazin und GEO sowie in internationalen Publikationen wie Sunday Times Magazine (London), The Journal (New York), Courrier International (Paris), Das Magazin (Zürich), Dagens Næringsliv (Oslo), Himal Southasian (Katmandu).
Bekannt wurde Michael Obert durch seinen Bestseller Regenzauber über eine sieben Monate lange Reise von der Quelle bis zur Mündung des Niger. Die Literaturkritik vergleicht ihn mit Bruce Chatwin, Jon Krakauer und Ryszard Kapuściński. Für seine Arbeit erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, zuletzt den Deutschen Reporterpreis 2012 und den Otto Brenner Preis 2013; aktuell ist er nominiert für den Henri Nannen Preis 2014. Zwischen seinen Reisen lebt Michael Obert in Berlin. SONG FROM THE FOREST ist sein Regiedebüt. (www.obert.de)

Bibliografie (Auswahl)

  • Chatwins Guru und ich. Meine Suche nach Patrick Leigh Fermor (2009 Malik Verlag)
  • Die Ränder der Welt. Patagonien, Timbuktu, Bhutan & Co. (2008 Malik Verlag)
  • Regenzauber. Auf dem Niger ins Innere Afrikas. (2005 Malik National Geographic - Piper Verlag )

 

ALEXANDRE TONDOWKI (Produzent)

Alexandre Tondowski begann seine Karriere in den 1980er Jahren als Theaterschauspieler in Paris, London und New York. Nach einem Wechsel nach Los Angeles wirkte er in den USA in vielen Filmen, Fernsehserien und Werbespots mit, bevor es ihn wieder nach Europa zurückzog. Kurz nach seiner Ankunft in Berlin gründete er mit seiner Frau Ira die Produktionsfirma Tondowski Films, die sich zum Ziel setzt, visionäre Regisseure bei der Realisierung ihrer Projekte zu unterstützen.

 

IRA TONDOWSKI (Produzent)

Ira Tondowski ist 1975 in Ost-Berlin geboren und aufgewachsen. Sie studierte Drehbuch an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg und arbeitet als Drehbuchautorin und dramaturgische Beraterin für Film und Fernsehen. „Die Arbeit mit Michael und Alex an SONG FROM THE FOREST  war verrückt, witzig, ehrlich, devestating, life changing. Das ist wunderbar.“

Filmografie (Auswahl)

  • 2013 Song from the Forest, Dokumentarfilm, Regie Michael Obert
  • 2014 Heart Bargain, Spielfilm, Regie Nicolai Albrecht
  • 2014 Sonntags, Kurzfilm, Regie Ira Tondowski

 

WIEBKE GRUNDLER (Montage)

Wiebke Grunder arbeitet seit 2002 als Filmeditorin für verschiedene Produktionen von arte, 3sat, ZDF Theaterkanal, Kleines Fernsehspiel und Al Jazeera sowie für das Goethe Institut in Abu Dhabi, das Haus der Kunst in München und die Volksbühne Berlin. 2011 schloss sie ihr Studium an der HFF in Potsdam-Babelsberg ab. SONG FROM THE FOREST ist ihr vierter Langfilm.

 

SIRI KLUG (Kamera)

Siri Klug hat als Kamerafrau für zahlreiche deutsche und internationale Produktionen gearbeitet. Sie lernte bei Michael Ballhaus (Gangs of New York), Hans Fromm (Wolfsburg) und übernahm bei Reinhold Vorschneider (Orly) die zweite Kamera. „Eng mit diesen erfahrenen Filmemachern zusammenzuarbeiten, hat mir geholfen, meinen eigenen ruhigen Blick zu finden. Mein Ziel ist es, nicht nur den perfekten Bildausschnitt zu finden, sondern den Zuschauer näher an das heranzubringen, wonach wir alle suchen: Sensibilität und Leidenschaft.“

 

TIMO SELENGIA (Ton)

Timo Selengia, geboren 1971 in Hamburg, arbeitet seit 1998 als Tonmeister für Kino- und Fernsehproduktionen, vor allem Dokumentationen und Reportagen, aber auch Kurz- und Spielfilme.