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CREDITS

Regie: Christoph Hübner

Buch: Gabriele Voss

Länge: 87 Min.

Kamera: Christoph Hübner

Montage: Gabriele Voss

Musik: Joachim Kühn, Majid Bekkas, Ramon Lopez, u.v.a.

Mischung: Stefan Korte (RuhrSoundStudios)

Produzenten: Christoph Hübner, Gabriele Voss

Produktion: Christoph Hübner Filmproduktion


TransmittinG


Ein Film von Christoph Hübner und Gabriele Voss

Kinostart: 13. März 2014


Trailer

Stadt  Kino  Termin  Info   
Bamberg  Lichtspiel  ab 13.03.2014     
Berlin  B-Ware!  ab 13.03.2014     
Berlin  Eiszeit  ab 13.03.2014  am 16.03. Filmemacher und Joachim Khn zu Gast   
Bochum  Endstation  15.03.+16.03.+20.03.  am 20.03. Filmemacher zu Gast   
Bonn  Brotfabrik  13.06. + 17.06.2014     
Cottbus  Obenkino  05.05.2014     
Duisburg  Filmforum  10.04. + 15.04.2014     
Dsseldorf  Filmmuseum  07.03.2014  Premiere mit Lesung   
Frankfurt  Mal Seh'n  26.03.2014     
Freiburg  Kommunales Kino  11.05. - 18.05.2014     
Hannover  Knstlerhaus  27.03. - 30.03.2014     
Herne  Filmwelt  10.05.+11.05.2014     
Karlsruhe  Kinemathek  13.03.+14.03.2014     
Kln  Filmpalette  ab 13.03.2014     
Leipzig  Kinobar Prager Frhling  ab 13.03.2014     
Leverkusen  Scala  ab 02.04.2014   
Mnchen   Werkstatt  15.+16.03. 18.30 Uhr, 23.03. 11.00 Uhr   
Oldenburg  Casablanca  27.04.2014   
Regensburg  Filmgalerie  13.03.-15.03.2014   
Rendsburg  Schauburg  17.07.2014   
Saarbrcken  Filmhaus  05.06. - 11.06.2014   
Stuttgart  Theaterhaus  18.04.2014   
Weingarten  Kulturzentrum Linse  22.05.-28.05.2014   
Wrzburg  Central Programmkino  ab 24.04.2014   

ZUM PROJEKT

Drei Jazzmusiker, der Deutsche Joachim Kühn, der Marokkaner Majid Bekkas und der Spanier Ramon Lopez erfüllen sich einen lange gehegten Traum.
Einen Monat gemeinsame Zeit in Marokko. Zeit für Musik, für Begegnungen und  für eine neue CD. Sie mieten ein kleines Studio in Rabat und laden Gastmusiker dorthin ein. Sie fahren in die Wüste, um eine Trommlergruppe zu treffen und mit ihnen Aufnahmen zu machen. Dazwischen Abstecher in den Alltag, Abstürze und kleine Krisen. Jeder der Musiker hat ein Solo. Ein Film über improvisierte Musik und die Arbeit an ihr, ein Film über die Begegnung verschiedener Kulturen, ein Film über das Fremde und das Eigene. Wo kommt man her und wo will man hin?
Und einfach jede Menge gute Musik.

 

 

REGISSEUR CHRISTOPH HÜBNER ÜBER DIE HINTERGRÜNDE DES PROJEKTS


Seit einiger Zeit mache ich bei verschiedenen Gelegenheiten mit Musikern und anderen Künstlern Aufnahmen zum Thema „Improvisation“. In diesem Zusammenhang kam es auch zur Begegnung mit dem Jazzmusiker Joachim Kühn in Essen während seines Aufenthaltes als ‚artist in residence’. Beim Abschiedskonzert tritt Kühn mit dem marokkanischen Musiker Majid Bekkas und dem spanischen Drummer Ramon Lopez in einem neu gebildeten Trio auf. Nach dem Konzert erzählen uns die Musiker von ihrem außergewöhnlichen Projekt, das sie im März 2008 in Marokko  realisieren wollen:


Eine Reise zu den Wurzeln der marokkanischen Gnawa-Musik am Rande der nordwestlichen Sahara, Begegnung und musikalischer Dialog mit den Musikern dort. Tradition trifft auf Avantgarde, Improvisation tritt in Austausch mit einer über Jahrhunderte gewachsenen Überlieferung. Zwei musikalische Sprachen begegnen sich – europäischer Jazz und afrikanische Rhythmik. Und an diesem Abend die Frage, ob wir nicht Lust hätten, mit auf diese Reise zu gehen und einen Film dazu zu machen.


Tatsächlich interessierte mich das Projekt auf Anhieb, und zwar nicht nur, weil mich die Person und Musik von Joachim Kühn und den anderen Musikern faszinierten. Vor allem war es diese „Reise ins Offene“, die Kulturen und Landschaften, in die sie führte, sowie die Aussicht auf die Begegnung und den Dialog einander fremder Musiktraditionen, die mir außergewöhnlich schienen. Das Projekt von Joachim Kühn und den anderen versucht eine Grenzüberschreitung im Reich der Kulturen, Traditionen, Überlieferungen, dort also, wo heute so oft die Grenzen der Verständigung markiert werden.

 


BIOGRAFIEN DER FILMEMACHER


Christoph Hübner, geb. 1948 in Heidelberg, Jura-Studium in Heidelberg 1968-1971, Studium an der Hochschule für Film und Fernsehen München 1971-1975, Professur für Film an der Hochschule für bildende Künste Hamburg 1975-1978, Umzug ins Ruhrgebiet 1978, Mitbegründung des RuhrFilmZentrums 1978, Gründung der Christoph Hübner Filmproduktion 1979, Mitbegründung des Filmbüros NRW 1980, versch. Dozenturen und Lehraufträge, Reisen & Filmworkshops für das Goethe-Institut in USA, Europa, Südamerika, Südostasien, Afrika. Zahlreiche Festivalteilnahmen und Auszeichnungen, Mitglied der Deutschen und der Europäischen Filmakademie.


Gabriele Voss, geb. 1948 in Hagen/W., Studium in Heidelberg, München und Hamburg. Promotion über Wahrnehmungstheorie und Ästhetik. Seit 1972 Filmarbeit für Kino und Fernsehen, überwiegend in Zusammenarbeit mit Christoph Hübner. Arbeitsschwerpunkte: Buch, Dramaturgie, Montage. Mitbegründung des RuhrFilmZentrums 1978 und des Filmbüros NRW 1980. Reisen für Goethe-Institute, u.a. USA, Tunesien, Georgien. Verschiedene Auszeichnungen, Festivalteilnahmen, Werkschauen. Neben der Filmarbeit zahlreiche Veröffentlichungen, Dozenturen und Lehraufträge an verschiedenen Universitäten und Filmhochschulen.

 

 

BIOGRAFIE VON JOACHIM KÜHN


Joachim Kühn, geboren am 15. März 1944 in Leipzig, ist einer der wenigen deutschen Weltstars des Jazz. Sein Piano-Spiel setzt sich über alle Kategorien hinweg und hat dem zeitgenössischen Jazz neue Wege gewiesen. Der musikalische Weltbürger Kühn sieht sich in der Tradition des Jazz, wie auch verbunden mit der europäischen Konzertmusik, aber bei alledem unmittelbar einer Klangsprache der Gegenwart verpflichtet. Er offenbart Vehemenz und Sensibilität, virtuose Technik und Phantasie, eine unverwechselbare Anschlagskultur und einen untrüglichen Sinn für Dynamik. Im Interplay mit langjährigen musikalischen Partnern, in immer neuen und oft auch ungewöhnlich herausfordernden Spielkonstellationen oder, ganz auf sich gestellt, in seinen Solokonzerten gelingt es Joachim Kühn, Musik zum Ereignis zu gestalten. Piano-Legende Dave Brubeck urteilte einst über ihn: „Das ist einer, der verfügt über alle Fähigkeiten, die meinem Grundverständnis von modernem Piano entsprechen.“


Seine Offenheit und sein Entdeckergeist brachten Kühn dazu, ein wohl noch nie in dieser Form zuvor dagewesenes Trio zu gründen. Im Jahr 2003 fand er mit dem Marokkaner Majid Bekkas, der die Lauteninstrumente Guembri und Oud spielt, und dem spanischen Schlagzeuger Ramon Lopez zwei bezüglich seines Improvisationsdranges Gleichgesinnte, die jedoch ihre ganz eigenen kulturellen Hintergründe und musikalischen Erfahrungen einzubringen vermögen. Nach dem ersten Album des Trios, „Kalimba“, im Jahr 2007, folgten „Out Of The Desert“ (2009), welches in einer Session in der nordafrikanischen Wüste mit dort einheimischen Musikern aufgenommen wurde, und 2011 „Chalaba“.

 

 

INTERVIEW MIT CHRISTOPH HÜBNER

Herr Hübner, Sie haben mit „Transmitting“einen musikalischen Film über das Entstehen von Musik gedreht: Ich fand sehr schön, wie zurückgenommen und ökonomisch die Gesprächssituationen eingesetzt sind in das Begleiten und Beobachten des Zustandekommens dieses musikalischen Dialogs. Das ist ja sonst nicht so, dass man auch das Arbeiten an Musik erfahrbar macht. Sonst werden in Musikfilmen oft nur Stücke aneinandergereiht.

H: Durch die lange Zeit, die wir bei den Proben von Joachim Kühn, Majid Bekkas, Ramón López und den anderen Musikern in Marokko verbracht haben, konnten wir auch etwas von der Arbeit mitbekommen. Bei Improvisation stellt man sich ja immer vor, dass das aus dem Stand entsteht. Aber das ist es eben nicht allein. Es ist auch harte Arbeit.

Auch in Ihrem Film geht es um die Balance zwischen Verabredungen, Beobachtungen und Reaktionen. Verbindet das den Dokumentarfilm mit der Musik?

H: Johann van der Keuken, ein befreundeter Filmemacher, der inzwischen leider verstorben ist, hat die Unterscheidung nicht zwischen Dokumentar und Spielfilm getroffen, sondern zwischen improvisiert und nicht improvisiert. Das finde ich ganz interessant. Dabei ist der Dokumentarfilm sicher eher auf der Seite des improvisierten Films. Improvisation hat mich immer interessiert.

Wie ist Ihr Film-Projekt mit Joachim Kühn denn entstanden?

H: Seit längerer Zeit sind Gabriele Voss und ich dabei, kleine, kurze Filme über Improvisation zu drehen. Joachim Kühn war für ein Konzert in Essen und da haben wir uns kennengelernt. Wir haben mit ihm einen kleinen Beitrag über Improvisation gedreht, und daraus hat sich eine Freundschaft ergeben. Irgendwann hat er davon erzählt, dass sie dieses Projekt vorhaben: Ursprünglich waren zwei Monate geplant, in denen sie einfach ins Offene nach Marokko fahren wollten. Ich hatte damals noch verstanden, das Ganze wäre eine Reise – von der Arbeit im Studio war noch nicht die Rede. Joachim Kühn hat uns gefragt, ob wir nicht Lust hätten, das zu begleiten – relativ kurzfristig sind wir dann einfach ohne große Finanzierung mitgefahren. Wir haben zusammen mit den Musikern in dem großen Haus von Majid Bekkas gewohnt, der ein
ganz wichtiger Musiker in Marokko ist und inzwischen auch ein kleines Studio hat. Dort sind auch die Gespräche mit Joachim Kühn entstanden: Jeden Morgen haben wir uns dazu hingesetzt – davon sind jetzt nur noch Spuren in dem Film. Wir waren die ganze Zeit mit den Musikern zusammen, daraus ist der Film entstanden. Gab es Situationen, wo Sie daran gezweifelt
haben, ob das überhaupt ein Film wird? Lange Zeit haben wir mit der ursprünglichen Vorstellung gekämpft, dass alles eine Reise ist. Doch dann verbrachten wir die meiste Zeit in diesem
Studio, das ja filmisch nicht so dankbar ist. Es ist ein bisschen dunkel, keine attraktive Location.
Und dieses Spielen in getrennten Aufnahmeräumen, das ist für einen Film echt schwierig. Aber
so ist die Realität von Studioaufnahmen, die Räume sind eben getrennt voneinander. Während
dieser Dreharbeiten habe ich viel gelernt. Von den eigenen Vorstellungen wegzukommen ist immer interessant. Oft ist es so, dass man mit einer Idee an etwas herangeht, aber dann besteht die große Kunst darin, dass man auf das Material schaut und nicht auf das, was man als Idee mitgenommen hat. Das hat diesmal eine Weile gedauert, auch noch beim Schneiden. Wie erzählen wir den Film? Bleiben wir bei den originalen Schwerpunkten oder erzählen wir mehr die Reise? Und das hat ab dem Moment funktioniert, als wir gesagt haben: „Gut, das Material ist eben so, und mit dem Material erzählen wir dann den Film.

Ich fand diesen Studioaspekt gerade interessant, der Gedanke, dass  sich die Tonspur etwa daraus zusammensetzt, was man als Bild getrennt sieht. Wenn es ein klassischer Reisefilm gewesen wäre, wäre man viel mehr in die Falle der verführerischen Landschaftsbilder getappt. So ist die Reise ja eher eine des sich Zusammenfindens im Spiel. Das scheint am Anfang im Studio erst mal zu scheitern, weil die Musiker im Spiel einfach nicht zusammenkommen. Was macht man denn als begleitender Dokumentarfilmer, wenn man das Gefühl hat, das Projekt scheitert?

H: Na ja, davon erzählen und dazu stehen, was man vor sich hat. Das war mir ein wichtiger Aspekt, deswegen haben wir diese Schwierigkeiten am Anfang auch drin gelassen. Weil es ja das Klischee von Weltmusik gibt, dass irgendwelche europäischen Musiker nach Afrika reisen und alle verstehen sich blendend und alle spielen sofort miteinander und Musik ist eine Weltsprache usw. Daran habe ich nie so richtig geglaubt. Es ist doch eher so: Man kommt aus verschiedenen Kulturen, es ist ein Annähern, es ist ein Miteinander-Etwas–Finden. Natürlich ist das bei der Musik leichter als vielleicht bei jeder anderen Kunst. Aber trotzdem ist es nicht ohne Probleme.
Joachim Kühn spricht ja auch davon. Deswegen war es uns ganz wichtig, auch dieses Brüchige im Film zu lassen und zu zeigen, dass es eben nicht nur eine Wohlfühlatmosphäre ist, sondern dass da erst mal etwas erarbeitet werden muss, dass man sich nicht sofort versteht und dass das nicht selbstverständlich ist. Im Film gibt es einen Wendepunkt, als der schwarze Trommler in das Studio kommt und Majid dann sagt: „So, ja, dafür sind wir da, jetzt haben wir eine Idee davon, warum wir hier sind.“ Da ging es zum ersten Mal richtig los. Das ist dann auch das letzte Stück, das wir im Studio gedreht haben, und anschließend gehen wir auf die Reise. Damit ist sozusagen auch die Studiosituation erlöst.

Wenn Sie das auf Ihr Arbeiten beziehen, welchen Ansatz haben Sie? Haben Sie eine genaue Vorstellung, was Sie suchen, wenn es losgeht oder improvisieren Sie eher?

Schwer zu sagen – wie entstehen Ideen? Es ist nicht so, dass wir in den anderen Filmen, die wir gemacht haben, immer Themen suchen, sondern es entsteht oft eines aus dem anderen. Wie jetzt mit Joachim Kühn, das war so nicht geplant. Oft ist es auch so, dass es einen Moment gibt, in dem liest man etwas, einen Zeitungsartikel oder etwas Ähnliches, und dann entzündet sich das, was man eigentlich schon im Kopf hat oder mit sich herumträgt.
Oder es existiert eine Idee, und dann ist die Realität aber doch noch mal etwas Anderes, etwas
Reicheres, etwas Komplexeres als die Idee. Und so überlässt man sich. Das ist ja auch im Improvisieren. Man muss irgendwann anfangen, sich zu überlassen, also hinzuhören: Was passiert? Was spielt der andere? Das wäre bei uns das Hinschauen auf die Realität. Darin besteht der Dialog, den man bis zum Schluss führt zwischen der Idee, die man hatte und dem, was man als Material von der Arbeit mitbringt. Deswegen liebe ich den Dokumentarfilm so, weil er immer eine Form von Bereicherung ist. Man kommt sehr viel reicher und von der Wirklichkeit
beschenkt wieder, als was man mit seinen Ideen an die Wirklichkeit heranträgt.
Das könnte auch daran liegen, dass man viel Zeit damit verbringt, sich mit Protagonisten
auseinanderzusetzen. Das sind am Ende ja oft nur Zwei-Minuten-Gespräche, die im Film übrig bleiben. Aber dahinter steht ein Monat miteinander sprechen und leben. Auch das gehört dazu, dass man warten kann, bis etwas geschieht. Man kann ja nicht alles erzwingen oder verabreden, was vor der Kamera passieren soll, sondern man muss warten können, bis sich etwas ereignet. Oft entstehen daraus sehr schöne Sachen, wenn man zum Warten fähig ist. Es würde mich freuen, wenn der Zuschauer auch mit einer solchen Haltung an den Film herangeht und sich darauf einlässt. In unserem Film gibt es ja sehr lange Einstellungen, und auch ein sehr langes Hinschauen auf die Musik. Das ist nicht selbstverständlich in den meisten Filmen. Sonst werden die Leute immer an die Hand genommen und es wird ihnen gesagt: „Das und das sollst du sehen“, statt dass man selbst hinschaut oder hinhört. Dass man von der Musik oder dem Musikmachen etwas mitbekommt, empfinde ich als eine Qualität unseres Filmes.

Ist das ein Unterschied  für Sie, zu reisen oder sozusagen vor der Haustür zu filmen? Geht man da anders beobachtend ran? Vorsichtiger?

Ich glaube, ich hätte von mir aus jetzt keinen Film über Marokko gedreht, weil ich mich da nicht
auskenne. Aber andererseits gehört es auch zu diesem Thema Weltmusik, dass der Film diese
Fremdheit behält, also dass er dazu steht, dass dies eine fremde Welt ist. Man bleibt immer ein
bisschen auf Distanz. Zum Beispiel haben wir wunderbare Aufnahmen von der Wüste gemacht.
Es gab sogar einen Kamelritt mit den Musikern. Zunächst hatten wir diese Bilder noch im Film.
Aber irgendwie fühlten wir uns nicht recht wohl damit. Denn es ist so schwer, die Wüste anders zu filmen als die Bilder, die einem immer sofort einfallen. Unser Film würde kippen und dann doch wieder nur diese schönen Bilder zeigen. Deshalb haben wir das rausgenommen. Manchmal gibt es Andeutungen, aber diese sind wie zarte Hinweise. Wir haben diese ganze Episode aus der Wüste weggelassen, weil wir das Gefühl hatten, das kippt so schnell in das Klischee von Wüste um. Ich glaube, es ist sehr ehrlich, diese Fremdheit zu behalten. Das ist ja auch das, was man bei den Musikern spürt, die befreundet sind, aber aus unterschiedlichen Richtungen kommen. Bei allem Überschwang, der nach dem Spiel zur Euphorie führt, merkt man, dass da so eine Grundfremdheit besteht, die bleibt und wahrscheinlich immer bleibt.
Ja, speziell bei Joachim Kühn. Wir haben auch schon Leute sagen hören: „Der mit seinem Anzug
und immer mit den weißen Hemden da in der Wüste, der beharrt, besteht ja auf sich.“ Das ist
umgekehrt übrigens auch ein Problem der Weltmusik, mitunter auch der Ethnologie. Wir gucken sozusagen als Europäer auf die Fremden da, und wir möchten, dass die original und authentisch bleiben. Aber dass so jemand wie Majid eben auch guckt und sich eine andere Kultur aneignet – der spielt ja auch hier in Europa mit anderen Musikern zusammen – das finde ich sehr wichtig. Dass die Musiker sich auch einen Teil der amerikanischen oder europäischen Musik aneignen und auch den Anspruch haben, sich im Dialog mit Joachim Kühn und westlichen Musikern weiter zu entwickeln und nicht einfach nur auf die Afrikaner mit ihren traditionellen
Instrumenten reduziert zu werden: Davon erzählt der Film auch ein bisschen.

Das klingt alles sehr danach, als ob Sie auch in der Musik zu Hause sind, jenseits dieses Films. Welche Musik hat Sie geprägt?

Mein Vater war Kirchenmusiker, ich bin also mit Bach aufgewachsen. Ich habe auch selbst Musik
gemacht. Erst klassisch, Cello gespielt, später ein bisschen Rockmusik, ich habe in einer Band gespielt und auch selbst improvisiert. Musik machen hat mich immer interessiert, nicht professionell, da sind andere besser. Aber es gibt viele Dinge, die wir Regisseure mit Musikern gemeinsam haben. Im Film ist ja Rhythmus etwas ganz Wichtiges, ein Gefühl dafür zu bekommen, was sind Rhythmen. Eigenartigerweise habe ich ganz oft am Anfang, bevor ein Film da ist, ein Gefühl von einem Rhythmus, wie eine Gangart. Das ist so, wie wenn ein Film schreitet, einer ein bisschen schneller, einer ein bisschen langsamer. Und dann habe ich irgendwie das Gefühl, wenn ich das habe, dann weiß ich auch, wie der Film geht.

Warum interessiert Sie das Thema Improvisation so?

Am Anfang war für mich die Frage: Improvisation – was ist das eigentlich? Woraus entsteht, was
man spielt und wie man spielt? Das kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern das ist etwas, das
man ganz bewusst macht. Ich finde, das ist ein ungeheuer interessantes Thema. Wie kommen
Gedanken auf, woher kommen Themen, wann kommt, wenn man zusammen spielt, dieses Gefühl, dass man zusammen intensive Momente erlebt. Das hat mich einfach interessiert und daher drehe ich seit längerem diese kurzen Filme mit verschiedenen Musikern, kleine Szenen, Interviews und Gespräche, aber auch musikalische Momente. Irgendwann wird das vielleicht mal was werden, aber ich weiß noch nicht, was. Bislang ist das nur eine Nebenspur, die ich verfolge.

Das Gespräch führte Christina Tilmann.